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Die Regierung Chiles will Lithiumsproduktions-Lizenzen, so genannte CEOLs (Contrato Especial de Operación de Litio) an private Unternehmen vergeben. Die Verfassung allerdings sieht bei der Lithiumförderung keine Konzessionen für Private vor - deshalb plant die Regierung spontan Ausnahmeregelungen durchzusetzen. Die Gewerkschaften und die Opposition, die bei dem Vorhaben nicht eingebunden ist (!), fordern den alleinigen Abbau von Lithium durch den Staat.
Chile ist weltweit der größte Lithiumexporteur. Mit einem Anteil von 41 % ist das Andenland nach Bolivien weltweit zweitgrößter Lithiumproduzent. Hauptsächlich kommt das leichteste Metall der Erde im Norden der Salzwüsten Chiles, speziell in der Atacama-Wüste, vor. Die Lithium Produktion verspricht hohe Erträge, da die Nachfrage an (Lithiumbatterie betriebenen) E-Autos, Smartphones und Tablets steigt und bis 2020 ein Zuwachs von 7 % geschätzt wird.
Die interessierten Unternehmen können bis 24. September 2012 um die CEOLs mitbieten. Der Meistbietende ist dann berechtigt in den nächsten 20 Jahren 100 000 Tonnen Lithium zu fördern. Die Regierung wird alleine pro CEOL 350 Millionen Dollar verlangen. Dazu soll das zukünftige Privatunternehmen, neben den üblichen Unternehmenssteuern, monatlich 7 % seiner Einnahmen an den chilenischen Fiskus abtreten. Kritiker, wie die Opposition und Gewerkschaften, finden das viel zu wenig. Sie gehen davon aus, dass der Staat weitaus mehr Einnahmen hätte, wenn er das Lithium selbst abbauen würde. Ein Vorschlag wäre, den Auftrag an das verstaatlichte Kupferunternehmen Codelco zu vergeben. Codelco wäre dem Angebot nicht abgeneigt.
Chiles Souveränität in Gefahr
Dazu befürchten die Sozialpartner, dass Chiles Souveränität durch die privaten Konzerne leiden wird. Bisher hat der Großteil der Einnahmen der Rohstoffindustrie Sozialpogramme finanziert – bei den Konzernen steht der Wohlstand Chiles nicht im Vordergrund. Dazu werden die guten Arbeitsplätze der Unternehmen meist von Migranten aus anderen Teilen Chiles sowie aus dem Ausland besetzt. Ein weiterer sozialer Aspekt ist die Nutzung des Landes und der Eigentumsrechte; denn eigentlich gehört das Atacama-Gebiet den Menschen, die dort wohnen. Trotzdem sind bereits viele Fabriken in den Salar de Atacama eingedrungen. Mit den vergebenen Lizenzen an die Konzerne wird der „Landraub“ voranschreiten.
Gefahren für die Umwelt
Die Lithium-Gewinnung wirkt sich direkt auf die spärlich vorhandenen Wasserreserven der Salzwüsten aus. Folglich sind die fragilen Wiesen- und Feuchtgebiete vom Austrocknen bedroht. Die für den Transport verwendeten Lastwägen verursachen dazu eine beträchtliche Luftverschmutzung. Die aufgewirbelten Staubwolken gelangen durch den Wind in Dörfer und Weideflächen und verschmutzen diese. Die neu entstehenden Lithiumfabriken entstehen in unberührten Naturlandschaften und verdrängen beheimatete Tier- und Pflanzenarten.